„Lebensversicherung? Nein, bin ich nicht“
Zum ersten Mal wird mit Timo Halbe (2. von links) ein Kreisliga-Fußballer Torschützenkönig beim Kreis-Hallenmasters-Turnier. Dazu gratulieren Pokalspielleiter Ulrich Keine, Jens Selter (Krombacher Brauerei) und Franz-Josef Rotter (Vorsitzender Stadtsportverband Lennestadt, von links). Foto: Michael Meckel

„Lebensversicherung? Nein, bin ich nicht“

Timo Halbe ist mit Abstand bester Torschütze der Kreisliga A - und schreibt ein Stück Fußballgeschichte

Das war’s mit der Fußball-Saison 2019/20. Die Aufsteiger stehen fest, Absteiger gibt es nicht. Aber Torschützenkönige. In der Kreisliga A setzte sich Timo Halbe, spielender Co-Trainer der SG Hützemert/Schreibershof, mit 25 Treffern klar gegen Samir Selimanjin von RW Lennestadt (18) durch. Wir sprachen mit Timo Halbe.

Herr Halbe, die wichtigste Frage am Anfang: Wie geht es Ihnen gesundheitlich und wie haben Sie sich in den Wochen der Corona-Krise fit gehalten?

Timo Halbe: Mir geht es gut. Meine Familie und meine Freunde sind bisher zum Glück auch nicht betroffen. Im Moment halte ich mich mit Läufen fit. Allerdings bin ich froh, wenn ich die Bigge wieder ausschließlich für Spaziergänge nutzen kann, anstatt für Ausdauerläufe.

Jetzt wurden die ersten Corona-Maßnahmen gelockert. Auch im Fußball. Wie stehen Sie dazu und werden Sie noch einmal das Training aufnehmen?

Timo Halbe (rechts, hier noch im Trikot des SV Ottfingen im Laufduell mit dem ehemaligen und künftigen Altenhofer Kevin Becker) ist einer der erfolgreichsten Torjäger im Kreis Olpe in den letzten Jahren. Foto: Michael Meckel

Wie stehen Sie zur Lösung des FLVW, die Herbstmeister und den aktuellen Tabellenführer nach der Quotienten-Regelung aufsteigen zu lassen?

Ich bin froh, dass ich die Entscheidung nicht treffen musste. In so einer Situation gibt es natürlich immer auch Verlierer. Ich finde es gut, dass es keine Absteiger gibt und dass auch die „halben“ Aufstiegsplätze ohne größere Diskussionen als Aufsteiger gewertet werden. Ob es jetzt fairer ist, nur die Herbstmeister, oder nur den Tabellenführer nach Quotienten-Regelung aufsteigen zu lassen, kann ich so nicht sagen. Auf jeden Fall hat die Lösung mehr Gewinner als Verlierer mit sich gebracht.

Können Sie die Verärgerung einiger Vereine, zum Beispiel bei Ihrem Ex-Verein SV Ottfingen, bezüglich der Wertung verstehen?

Leider ist der SVO hier einer der angesprochenen Verlierer. Es ist definitiv diskussionsfähig, ob der Fünftplatzierte ein verdienterer Aufsteiger ist. Ich glaube auch, dass der SVO bei einer kompletten Saison am Ende die Nase vorn gehabt hätte. Ich drücke jedenfalls die Daumen und glaube, dass sie auch in den nächsten Jahren eine ambitionierte Mannschaft auf den Platz schicken werden.

Sie konnten der Entscheidung ja relativ beruhigt entgegensehen. Am Ende landete die SG Hützemert/Schreibershof auf Platz sieben. Sind Sie damit zufrieden?

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich gehofft, dass wir es eventuell noch zwei bis drei Plätze weiter nach oben schaffen. Wir haben eine gute Mannschaft und sind immer in der Lage, jeden Gegner in der Liga zu schlagen. Beispielsweise haben wir es mit einem Spieler weniger fast geschafft, einen 0:2-Rückstand gegen RW Lennestadt noch zu drehen und sogar zu gewinnen. Aber am Ende haben wir durch einen fragwürdigen indirekten Freistoß im eigenen Sechzehner verloren. Das zeigt, was in der Mannschaft steckt und wofür es reichen kann, wenn wir Konstanz in unser Spiel bekommen.

„Als Stürmer will man immer so viele Tore schießen, wie es eben geht. Die Krone gebe ich aber gerne an meine Mannschaft weiter, weil es eben nur zusammen funktionieren kann.“

Timo Halbe

Wie sehr freuen Sie sich über den Gewinn der Torjägerkrone?

Natürlich ist das eine schöne Sache. Als Stürmer will man immer so viele Tore schießen, wie es eben geht. Die Krone gebe ich aber gerne an meine Mannschaft weiter, weil es eben nur zusammen funktionieren kann. Es gibt schließlich noch zehn weitere Spieler auf dem Platz die es einem erst ermöglichen, dass man die Chance verwerten kann.

Sie haben 25 der 64 Saisontore Ihrer Mannschaft erzielt. Kann man Sie als „Lebensversicherung“ der SG Hützemert/Schreibershof bezeichnen?

Nein. Ich glaube, es geht es nur zusammen mit der Mannschaft. Ich habe einfach Spaß mit den Jungs und versuche so viele Tore wie möglich dazu zu steuern. Nicht umsonst bemühen sich auch andere Vereine um unsere Spieler und sehen das Potenzial für die Bezirks- oder Landesliga.

Ende Januar haben Sie „Fußball-Geschichte“ geschrieben. Als erster Kreisliga-Spieler wurden Sie Masters-Torschützenkönig. Macht Sie das ein wenig stolz?

Natürlich war das eine tolle Geschichte. Ich wusste nicht, dass ich der erste Kreisliga-Spieler war. Klar ist man da auch ein bisschen stolz. Ich hätte auch niemals damit gerechnet, bei zwei Westfalenligisten, wovon einer auch noch mit Abstand Tabellenführer war, am Ende die meisten Tore zu schießen. Besonders als wir dann auch noch leider in der Vorrunde ausgeschieden waren, kam es schon überraschend. Aber ich glaube, am Ende war das Schönste, der Mannschaft die 30 Liter Bier zu überreichen, weil ihr Anteil daran immer etwas untergeht.

Auch beim VSV Wenden und beim SV Ottfingen waren Sie sehr erfolgreich. Mit beiden Vereinen standen Sie dicht vor dem Landesliga-Aufstieg. Im Sommer 2016 kehrten Sie vom Bezirksligisten SV Ottfingen zu Ihrem Heimatverein Hützemerter SV, der in der Saison zuvor im Mittelmaß der Kreisliga B dümpelte, zurück. Warum?

Weil ich ein duales Studium begonnen hatte und natürlich hauptsächlich wegen meiner Tochter, die 2016 geboren wurde. Da war der zeitliche Aufwand einfach zu groß drei bis vier Mal ins Wendener Land zu fahren. Des Weiteren hatte ich mir als Ziel gesetzt, meinen Heimatverein so schnell wie möglich wieder in die Kreisliga A zu bringen und dort zu etablieren.

Was war der größte Erfolg und was die größte Enttäuschung in Ihrer Karriere?

Die beiden Bezirksliga-Vizemeisterschaften mit dem VSV Wenden 2012 und dem SV Ottfingen 2015 waren gleichzeitig die größten Erfolge und auch Enttäuschungen, weil sie beide am letzten Spieltag passierten. Mit Hützemert war der größte Erfolg der zweite Platz beim Masters-Turnier 2009. Das Finale gegen den Gastgeber SG Finnentrop/Bamenohl verloren wir leider mit 3:7.

Ein Blick in die Zukunft. Was ist das Ziel für die kommende Saison?

Wir wollen uns weiterhin verbessern und eventuell mal mit ein bisschen Glück auch weiter oben mitmischen. Aber erst einmal bleibt das Ziel, unter die ersten fünf zu kommen. Alles andere lässt sich schwer planen.

Quelle: Michael Meckel – Westfalenpost – Donnerstag 14.Mai 2020 – WP 2020 – Alle Rechte vorbehalten.